Du hast noch keinen Account? Hier kostenlos registrieren, um im Forum lesen und schreiben zu können! Wir verwenden Cookies für GoogleAdsense - durch die Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung zu!


  PortalPortal  InfoseitenInfoseiten  Letzte ThemenLetzte Themen  FavoritenFavoriten  SucheSuche  NachrichtenNachrichten  FAQFAQ  LoginLogin 
 
Außergewöhnliche Belastungen

1. Frage: Kann ich meine Aufwendungen für Krankheitskosten steuerlich geltend machen?
Antwort: ja!

Diese Kosten gelten als "Außergewöhnliche Belastungen" und werden in der Steuererklärung im Mantelbogen (unten auf Seite 4) eingetragen.

Nähere Informationen:

Arznei- und Hilfsmittel:
Aufwendungen für Arzneimittel - auch für nicht rezeptpflichtige Medis - sowie für allgemeine Stärkungsmittel sind abziehbar, wenn eine vor der Behandlung ausgestellte schriftl. ärztl. Verordnung vorliegt.
BFH Urteil v. 6.4.1990. III R 60/88, BstBl 1990 II S. 958

Arztkosten, Krankenhausaufenthalt und Heilpraktiker:
Aufwendungen für ärztliche Heilbehandlung lassen sich ganz einfach mit der Rechnung des Behandlers nachweisen.

Sehhilfen:
Kosten für Brillen und Kontaktlinsen

Zahnersatz:
Kosten für Brücken, Kronen, Implantate usw

Fahrtkosten:
Aufwendungen für Fahrtkosten mit dem eigenen Pkw werden bei Fahrten zum Arzt, ins Krankenhaus, zur Kur usw. in der Regel nur in Höhe der vergleichbaren Kosten für ein öffentliches Verkehrsmittel anerkannt.
BFH Urteil v. 12.6.1991, III R 102/89 BSTbl 1991 II S. 763
Zuletzt BFH Urteil v. 3.12.1998, III R 5/98, BstBl 1999 II S. 227

2. Frage: Werden auch die Kosten für künstliche Befruchtung anerkannt?
Antwort: Grundsätzlich ja!

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
- Das Paar muss verheiratet sein.
- Es muss sich um eine Behandlung im homologen System handeln (also z.B. keine HI)

Nähere Informationen:

Aufwendungen für eine künstl. Befruchtung, die einem Ehepaar zu einem gemeinsamen Kind verhelfen soll, das wegen Empfängnisunfähigkeit der Ehefrau sonst nicht gezeugt werden könnte (homologe künstl. Befruchtung) können als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigungsfähig sein.

BFH, Urteil vom 18.6.1997, III R 46/97, BStBl 1997 II S. 805
Der BFH hat hier die künstl. Befruchtung der Ehefrau als Heilbehandlung angesehen. Letztere Voraussetzung soll nicht zutreffen, wenn die Unfruchtbarkeit der Frau auf einen füher bewußten und freiwillig vorgenommenen Eingriff beruht

FG Münster Urteil v. 19.6.2001, 11 K 4903/00E, EFG 2001 S. 499
Läßt sich eine gesunde Frau, die mit einem zeugungsunfähigen Mann verheiratet ist, mit dem Samen eines Dritten befruchten (heterologe künstl. Befruchtung) werden die Aufwendungen hierfür von der Rechtsprechung nicht als außergewöhnliche Belastungen anerkannt.

BFH Urteil v. 18.5.1999, III R 46/97, BFH / NV 1999 S.1424
Diese Entscheidung wird damit begründet dass die Kinderlosigkeit keine Krankheit in dem hier maßgeblichen Sinne sei.

zum Maßgebl. Krankheitsbegriff: BFH Urteil v. 17.12.1986, IVa ZR 178/85, NJW 1987 S. 703

Die unterschiedl. Beurteilung der versch. Fälle künstl. Insemination ist nicht überzeugend, weil in allen Fällen der Wunsch nach einem Kind auslösendes Moment für die Behandlung ist und deshalb eine einheitliche Entscheidung sämtlicher Fälle zutreffender erscheint.

3. Frage: Werden diese Kosten in voller Höher anerkannt?
Antwort: Nein!

Je nach persönlicher Steuersituation muss ein gewisser Teil des Einkommens als "Zumutbare Eigenbelastung" selber getragen werden.
Nur der Teil der Aufwendungen, der ÜBER diesem Betrag liegt, wirkt sich somit steuermindernd aus.

Nähere Informationen:

Berechnung der zumutbaren Eigenbeteiligung:
Sofern sich die Einkommenssituation zum Vorjahr nicht wesentlich geändert hat und euch ein Steuerbescheid dieses Vorjahres vorliegt, könnt ihr diesen Betrag wie folgt abschätzen:

1. Im Steuerbescheid sucht ihr die Position "Gesamtbetrag der Einkünfte"

2. Laut folgender Tabelle lest ihr euren individuellen Prozentsatz zur Ermittlung der zumutbaren Eigenbelastung ab:

Bei einem Gesamtbetrag
der Einkünfte:
Bis
15.340 Euro:
Von 15.340
bis 51.130 Euro:
Über
51.130 Euro:
Steuerpflichtige
ohne Kinder
   
nach der
Grundtabelle
5%6%7%
nach dem
Splitting-Verfahren
4%5%6%
Steuerpflichtige
mit Kindern
     
ein oder zwei
Kinder
2%3%4%
drei oder mehr
Kinder
1%1%2%

3. Vom Gesamtbetrag der Einkünfte rechnet ihr den ermittelten Prozentbetrag aus. Das ist dann eure persönliche zumutbare Eigenbelastung.
Anmerkung: (gemeinsam veranlagte) Ehepaare werden nach dem Splitting-Verfahren versteuert.

4. Berechnungsbeispiel:

Ehepaar ohne Kinder, IVF-Kosten gesamt 2.459 Euro
(Anmerkung: Von der Krankenkasse bzw. privaten Krankenversicherung erstattete Kosten können natürlich nicht geltend gemacht werden)
Gesamtbetrag der Einkünfte 31.859 Euro
Prozentsatz laut Tabelle 5%
Zumutbare Eigenbelastung 5% von 31.859 = 1.592 Euro
Steuermindernd wirken sich aus: 2.459 - 1.592 = 867 Euro

Hier findet ihr ein online Berechnungsprogramm

4. Frage: Gibt es noch weitere "Außergewöhnliche Belastungen"?
Antwort: ja!

Außergewöhnliche Belastungen sind zwangsweise erwachsende Aufwendungen eines Steuerpflichtigen, die bei der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommen- und Vermögensverhältnisse nicht anfallen.

Beispiele:
Scheidungskosten
Ersatz von Hausrat / Kleidung nach Brand-, Unwetterschäden oder Diebstahl (soweit nicht durch Versicherung abgedeckt)
Pauschbeträge für Behinderte
Beerdigungskosten
Heim- und Pflegekosten

Praxistipps

Da man im voraus nicht wissen kann, was im Laufe des Jahres auf einen zukommen wird, sollte man alle Belege aufbewahren! Besser als eine "Ramschbox" hat sich ein Ordner bewährt, in dem man die Belege chronologisch abheften kann. Dann sitzt man am Jahresende nicht vor einem Chaoshaufen ;-)

Für den Nachweis der Höhe der Fahrtkosten ist eine Preisauskunft des Bahn- bzw. Busunternehmens, zB die online Fahrpreisauskunft, ausreichend. Wenn man tatsächlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren ist, dann sollte man natürlich die Fahrscheine aufbewahren.
Darüber hinaus muss auch nachgewiesen werden, an wie vielen Tagen welcher Behandler aufgesucht wurde. Dafür lässt man sich am besten in der Praxis eine Anwesenheitsbescheinigung ausstellen. Sollte man das vergessen haben, kann man das natürlich noch nachfordern. Manche Arztbesuche kann man auch einfach ohne eine solche Bescheinigung nachweisen, zB durch einen Eintrag in das Vorsorgeheft, das Bonusheft oder den Impfausweis.

Die Kosten werden immer dem Jahr zugerechnet, in dem das Geld tatsächlich geflossen ist.

5. Frage: Können auch Unverheiratete die Kosten für "künstliche Befruchtung" absetzen?
Antwort: ja!

Aufwendungen einer nicht verheirateten empfängnisunfähigen Frau für Maßnahmen zur Sterilitätsbehandlung durch sog. In-vitro-Fertilisation sind als außergewöhnliche Belastung ab­ziehbar, wenn die Maßnahmen in Übereinstimmung mit den Richt­linien der ärztlichen Berufsordnungen vorgenommen werden (Änderung der Rechtsprechung).

EStG § 33
Urteil vom 10. Mai 2007, III R 47/05
Vorinstanz: FG Münster vom 27. April 2005 1 K 7062/01 E (EFG 2005, 1266)

Erfahrungsberichte:

Erfahrungsbericht von JBB:

"Wollte mal vom Ergebnis unser Steuererklärung erzählen.

Wir haben alle möglichen Kosten geltend gemacht: gesetzliche Zuzahlungen, ambulante Fahrtkosten (in Höhe der Kosten für öff. Verkehrsmittel) und sogar NICHT verschriebene, einfach so gekaufte Medikamente und Schwangerschafts-Vitamine aus der Apotheke.

Unser Sachbearbeiter hat (natürlich abzüglich der zumutbaren Eigenbelastung) ALLE Kosten anerkannt, na das ist doch was? Liebe Grüße von Bea"

Erfahrungsbericht von Schneeflöckchen:

Hallo,

"haben Heute Post vom FA bekommen (Bescheid für 2004 über Einkommensteuer.... ) ich sag nur schöne Bescherung Wie wir uns und auch der Steuerberater schon fast gedachte haben, macht unser FA Schwierigkeiten . Sie haben großzügig wie Sie sind so manches gestrichen aber ich glaube das kriegen wir hin Nur in Sachen künstlicher Befruchtung haben Sie alles gestrichen und da dachten wir das Sie wenigsten einen Teil anerkennen deshalb aber lest selber.

So, unsere "nette" Sachbearbeiterin schreibt: Erläuterungen Der Abzug der Aufwendungen für eine künstliche Befruchtung als außergewöhnliche Belastungen im Sinne des § 33 Einkommensteuergesetzes (EStG) konnte nicht gewährt werden, da von einer psychischen Erkarankung oder seelischen Störung nicht ausgegangen werden kann.

Also Einspruch wurde beim Finanzamt eingelegt mit folgender Begründung...

...Der BFH hat mit Urteil vom 18.06.1997, III R 84/96, BStBl 1997 II S. 805 entschieden, dass diese Eheleute einen Rechtsanspruch auf Abzug der Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen haben, wenn sich ein Ehepaar den Kinderwunsch im Wege einer sog. Homologen künstlichen Befruchtung erfüllen will. Finanzämter dürfen dies nicht ablehnen. Die Entscheidung, ob Zwangsläufigkeit der Aufwendungen gegeben ist, ist eine Rechts keine Ermessens- und schon gar nicht eine Billigkeitsentscheidung.

Wir beantragen daher, den Einkommenssteurbescheid ....vom ......in diesem Punkt zu ändern und die Aufwendungen für die künstliche Befruchtung als außergewöhnliche Belastung zum Abzug zuzulassen.

So und jetzt ist endlich auch Post vom FA da...kurz und knapp...

Der Bescheid ist nach § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO geänder. Er ist nach § 165 Abs. 1 Satz 2 AO teilweise vorläufig Dieser Bescheid ändert den Bescheid vom 22.12.05

Ich kann nur sagen: *dance*

Vielen lieben Dank an EUCH ALLE für Eure Hilfe!!!

LG Schneeflöckchen"

Erfahrungsbericht von Doro66:

"Abgesetzt haben wir Kosten für Medikamente und ärztliche Leistungen. Darüber hatten wir Belege. Weiterhin haben wir die Fahrtkosten abgesetzt Dazu habe ich eine Aufstellung der Termine gemacht (die hat das FA aber gar nicht gesehen, da das Ganze über einen Steuerberater lief). Abgesetzt wurden Anzahl Termine mal km mal 0,30 Euro. Dies alles wurde ohne Probleme anerkannt. Vielen Dank für die guten Tipps auf der Infoseite."


Es wäre toll auch von anderen Feedback bekommen würde, was das Finanzamt bei Ihnen anerkannt hat bzw. welche Rückfragen und Hürden zu nehmen waren. Ist ja von Bundesland zu Bundesland bzw. schon von Amt zu Amt verschieden.
Weitere Erfahrungsberichte bitte per PN an JBB, wird dann hier reinkopiert.

Wichtige Anmerkung!

Diese Erläuterungen stellen keine Steuer- oder Rechtsberatung dar! Sie dienen lediglich der Information und erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit!


Klein-Putz dankt Lara Joy und JBB für diesen Beitrag.
Stand: Sept 2007



In unserem Forum könnt ihr über dieses Thema diskutieren und eure Fragen stellen:

Hier geht es zum Ordner "Kostendiskussion".


 
INFO: Bitte beachtet die Einblendungen der Werbepartner. Durch diese wird das Forum finanziert! Danke.


 Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group, klein-putz.net © 2001-2021 Christian Grohnberg  |  Datenschutzerklärung  |  Impressum