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klein-putz Foren-Übersicht -> Kinderwunsch -> Fragen und Antworten für Neueinsteiger -> Made in Czech Republic - Erfahrungsbericht
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chris-79-
Rang0



Anmeldungsdatum: 16.04.2018
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 16 Apr 2018 04:33 Beitrag speichern    Titel: Made in Czech Republic - Erfahrungsbericht Antworten mit Zitat

Hallöchen,

ich will das hier mal schreiben, um anderen Paaren die einen Kinderwunsch hegen, doch etwas Mut zu machen. Der ganze Spaß mit dem Kinderwunsch kam bei meiner Freundin und mir Ende 2014 auf, während unseren alljährlichen Jahresurlaub. Mein Wunsch war immer vor dem Kinder bekommen, noch einmal in Afrika auf die Jagd zu gehen, um ganz viele wilde Tiere zu schießen. Nein, keine Angst, ich meine natürlich Fotos zu schießen von den Tieren

Ja und dann wollten wir nach 6 Jahren in Beziehung, in welcher es wie meistens auch mal Berg ab und auch immer wieder Berg auf ging, uns endlich den Wunsch eines eigenen Kindes erfüllen. Denn sowohl in meiner Familie als auch in der meiner Freundin, hatten fast alle Geschwister schon für Nachwuchs gesorgt. Sogar vollkommen gesunde Drillinge, die meine quasi Schwägerin unverhofft auf natürlichem Wege bekommen hat, haben wir zum Teil mit aufgezogen. Da wünscht man sich dann auch irgendwann halt Eigene.

Meine Freundin hatte dann Ende 2014 begonnen die Pille abzusetzen und so versuchten wir halt ein halbes Jahr lang schwanger zu werden. Doch irgendwie sollte das halt nicht so recht klappen, wie wir uns das anfänglich so vorgestellt hatten. Denn wie wir ja alle wissen, sollte es theoretisch ja nicht allzu schwer sein, aber die Praxis sieht dann gelegentlich doch leider etwas anders aus, wie ihr, sonst würdet ihr euch mit dem Thema nicht beschäftigen müssen, ja auch festgestellt haben werdet.

Meine Freundin war zwischendurch oft genug bei ihrem Frauenarzt und hat sich durch checken lassen, ob sie bzw. ihr Körper wohlmöglich das Problem sein könnte, weshalb es bei uns einfach nicht klappen sollte. Nun gut Sie musste ihre Schilddrüse ordentlich einstellen lassen und hatte eine leichte PCOS, was allerdings nicht zwangsläufig der ausschlaggebende Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch sein muss. Erleichtern tut diese Diagnose allerdings nicht den Kinderwunsch und so entschieden wir uns für den Weg einer Kinderwunschklinik. Also machten wir hier in Deutschland einen ersten Termin in dieser.

Hier wurden wir nach unserer Vorgeschichte gefragt und es wurden uns Blutproben, für allerlei Hormonwerte und was eben so gebraucht und in Erfahrung gebracht werden muss, abgenommen. Nicht ganz uninteressant ist natürlich auch meine Vorgeschichte, die ich natürlich kurz dazu schildern muss. Denn ich bin mit einem beidseitigen Hodenhochstand auf die Welt gekommen, der bei mir irgendwann mit drei oder vier Jahren und zum zweiten mal mit elf Jahren noch einmal operiert wurde, um diesen noch zu korrigieren.

Als die Ärztin in der Kinderwunschklinik davon erfuhr, stand für sie im Grunde genommen schon so gut wie alles fest, wer der wirkliche Verursacher unseres unerfüllten Kinderwunsches ist, ohne weiter auf die PCOS meiner Freundin drauf einzugehen. Darauf hin sollte ich natürlich ein Spermiogram machen. Ich hatte es tief in meinem Inneren, glaube ich schon von kleinauf befürchtet, jedoch immer diese innere Vermutung tief in mir vergraben und ich denke auch weit vor mir selbst versteckt, um nicht meine gesamte Jugend darüber nachdenken zu müssen. Doch irgendwann überrollt einen es dann doch sowieso, wie halt auch in diesem Fall.
So stellte ich mir halt die Frage, will ich das überhaupt wirklich wissen, denn ab dem Zeitpunkt, wenn ich das Spermiogram machen würde, stände ein eindeutiges Ergebnis fest. Das ist quasi so wie mit Schrödingers Katze. Bevor man nicht reinschaut in den Karton, existieren beide Möglichkeiten neben her, womit natürlich auch Hoffnung verbunden ist, was immer noch ein anderes Gefühl ist, als wenn ein eindeutiges Ergebnis fest steht und man womöglich keinen Funken Hoffnung mehr hätte an welchem man sich noch festhalten könnte. Lange Rede kurzer Sinn, ich entschloss mich letzt endlich auch meiner Freundin zu liebe, das Spermiogram zu machen. Das Ergebnis war ernüchternd. Die Kinderwunschklinik hat ganze drei Spermien gefunden, die nicht gerade vor Energie bzw. Mortalität strotzten. Nun gut, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zu letzt und da ja ein Spermiogram nur eine Momentaufnahme, in etwa wie es ein einzelnes Bild aus einem ganzen Filmstreifen ist, machte ich einige Wochen später, was so im Herbst 2015 gewesen sein müsste, erneut ein Spermiogram. Dieses fiel dann allerdings noch etwas bescheidener aus, denn in dem Zweiten wurde nichts gefunden, womit man auch nur irgendetwas anfangen könnte.

In der Zwischenzeit, hatte meine Freundin und ich, jeder für sich natürlich reichlich recherchiert, was uns denn eigentlich mit unseren Befunden überhaupt noch für Optionen offen bleiben. Für Adoption waren wir eigentlich fast schon zu alt, jedenfalls wären wir es wahrscheinlich dann gewesen wenn wir oben auf der Liste gestanden hätten, abgesehen davon hätten wir dafür auch extra noch heiraten müssen. Ende 2015 war ich im übrigen schon 36 Jahre alt und meine Freundin 31. Um uns von diesem Schock jedenfalls erst mal zu erholen, entschieden wir uns erst mal wieder für unseren alljährlichen drei bis vier wöchigen Jahresurlaub und buchten uns im Winter wiedermal einen Platz an einem sonnigen Strand am Rande der Karibik.

Was waren also noch unsere Optionen, die nach dem Ausschlussverfahren noch zielführend sein könnten, denn viele waren es nicht mehr. Eine schien jedoch nach intensiven Recherchen die Vielversprechendste zu sein. Es war genau diese, die uns auch von der Kinderwunschklinik Nahe gelegt wurde. Allerdings war es nicht so, das uns dort etwas Neues erzählt wurde, denn so schlau waren wir bis dato, nach dem zweiten Spermiogram auch schon. Was uns am meisten an der Kinderwunschklinik gestört hatte, das die Ärztin scheinbar keinerlei Empathie besaß, was sich unter anderem darin widerspiegelte, das sie zur Auswertung des ersten Spermiograms noch eine, ich weiß nicht mehr genau, Azubine oder Studentin oder ähnliches zum Gespräch mit hinzugezogen hat, obwohl sie genau wusste was auf uns zukommt. Meine Freundin saß natürlich mit Tränen in dem Raum und sie quasselte vollkommen trocken ihren Text runter. Oder auch bei der zweiten Auswertung, als sie uns nur schnell abfertigen wollte und uns eine Telefonnummer von einem Arzt gegeben hat, wo ich dann die TESE hätte machen können, als sie uns erzählen wollte, der Arzt sei zwar ganz schön schroff, er jedoch der „Einzige“ (in ganz Berlin) sei der diese Operation machen kann.

Klar dacht ich mir, verscheissern kann ich mich auch alleine, es wird sicherlich in ganz Berlin der einzige Arzt sein, der eine Standartoperation ausführen kann. Ich meine hätte Sie gesagt, das wäre der Arzt mit welcher die Kinderwunschklinik eng zusammenarbeitet und sie beispielsweise gute Erfahrungen mit ihm gemacht haben, dann hätte ich es womöglich sogar noch geglaubt. So allerdings habe ich mich nicht nur verscheissert gefühlt, sondern kam mir um ehrlich zu sein eher wie ein Sparschwein vor das geschlachtet werden soll.

Zwischendurch sei erwähnt, das wir Geld auch nicht *scheißen* oder ein Bäumchen haben an dem es wächst. Auch wenn unsere Jahresurlaube nie wirklich günstig waren, so haben wir immer ein ganzes Jahr darauf gespart. Wir hatten kein Auto, sind mit dem Rad zur Arbeit gefahren und unsere Miete war ok. Uns hat es an nichts gefehlt, aber wirklich große Sprünge können wir halt auch nicht machen. Sprich wir sind wahrscheinlich ebenso ein Durchschnittspärchen, wie ihr die das hier lesen.

Fest stand also seit unserem letzen Urlaub Ende 2015, das lediglich eine TESE mit anschließender ICSI für uns die einzige Chance wäre, uns unseren Kinderwunsch zu erfüllen. Als nächstes, war also die Frage der Finanzierung. Denn günstig ist der Spaß dann ja doch nicht. Dazu durchforsteten wir natürlich wieder fleißig das Internet und diverse Foren und reichlich Paragraphen und Gesetzeslagen. In Deutschland gibt es ja zum Glück die Möglichkeit, die ersten drei Versuche von der Krankenkasse bezahlt zu bekommen. Jedoch ist diese Art der Finanzierung an eine Menge Voraussetzungen gebunden, welche leider nur nicht auf jeden Einzelfall anwendbar sind. Ich meine, worin besteht der tiefgründige Sinn, das dieses nur verheirateten Paaren angeboten wird? Diese unlogische These, das ein Kind nur dann in einem stabilen und geschützten Umfeld aufwachsen kann. Klar, weil eine Scheidung ja nicht trotz allem jeder Zeit möglich ist. Also warum sollte man deswegen extra heiraten müssen? Angenommen, man heiratet deswegen, dann klappen die ersten drei Versuche nicht, beide Partner sind dann gefrustet und lassen sich dann wieder scheiden, was hätten diese dann gewonnen? Hätten sie dann tatsächlich wegen dem Kinderwunsch geheiratet oder nur des Geldes wegen um Kosten zu sparen? Letzteres trifft es für mich persönlich eher und des Geldes wegen wollte ich nicht extra heiraten, da habe ich in meiner Familie viel zu schlechte Erfahrungen gemacht. Beispielsweise mein Bruder heiratete damals um Steuern zu sparen, drei Jahre später ließen sie sich scheiden. Das Geld was sie drei Jahre vermeintlich gespart hatten, wurde dann Anwälten für die Scheidung in den Rachen geworfen. Diese und andere Gründe, waren für mich ausschlaggebend nach anderen Möglichkeiten Ausschau zu halten. Denn auch wenn wir geheiratet hätten, ging unsere Erfolgschance eher gegen Null und diese muß auch gegeben sein, damit die Krankenkasse die drei Versuche übernimmt. Denn womöglich hätten wir uns auch mit einer Samenspende anfreunden müssen und dann hätte die Krankenkasse sowieso keinen einzigen Cent dazu gezahlt. Ergo hier in Deutschland mit den ganzen komischen Gesetzen fühlten wir uns mit unserem Kinderwunsch so ziemlich allein gelassen. In jeglicher Hinsicht.

Über kurz oder lang, stand für uns fest, das uns hier niemand helfen wird, denn wir sind mal wieder das typische Paar, das eben komplett vergessen wird und einfach mal aus dem Raster fällt und nirgends in keinem Gesetz berücksichtigt wird, weil die Gesetzeslage ja ziemlich eindeutig ist.
Wir hatten uns schon zwischendurch eine skandinavische Samenbank rausgesucht, aus welcher wir recht unkompliziert hätten zur Not einen Spendersamen beziehen können. Wir waren kurz davor, welchen zu beziehen und quasi eine Intrauterine Insemination mit diesen selbst, bzw. wohl möglich von der Frauenärztin machen zu lassen, wenn sie sich darauf eingelassen hätte. Dies wäre eine relativ kostengünstige Möglichkeit gewesen. Allerdings, wäre dies zwar schon dann auch mein Kind mit gewesen, jedoch halt nicht mein eigenes Biologisches. So setzte sich halt in mir der Willen durch, wenn dann erst mal selbst alle Möglichkeiten vollständig auszuschöpfen, um auch der biologische Vater eines Kindes zu werden. Womit halt die TESE nun wieder ganz oben auf unserer Agenda stand.

Da wir jedoch, dank unserer Gesetzeslage die gesamten Kosten sowieso selbst stemmen müssten, kam mir nach reichlicher Überlegung der Gedanke, weshalb das Ganze eigentlich nicht im Ausland machen zu lassen, da dies sicherlich unter Umständen nicht nur kostengünstiger sein könnte, sondern auch in anderen Ländern andere gesetzliche Möglichkeiten, beispielsweise in Sachen Brutdauer usw. gegeben waren. Und so informierte ich mich abermals in diversen Foren, wie es denn mit dieser Möglichkeit so aussähe und wurde in vielen Beiträgen positiv überrascht. Sehr oft zu lesen bekam ich, das viele Paare nach mehreren erfolglosen Versuchen hier in Deutschland, dann auch den Schritt ins Ausland gewagt hatten und es drüben komischer Weise, sofort beim ersten Mal funktionierte. Dies machte mir dann doch schon etwas Hoffnung, nicht in einem Fass ohne Boden unser Geld hineinschmeissen zu müssen. So schlug ich diese Idee halt meiner Freundin vor. Anfangs war Sie nicht allzu begeistert, was sich jedoch sehr schnell ändern sollte, als Sie meine Argumente fürs Ausland verstand und sich dahingehend auch in vielen Foren informiert hatte, in welchem durch die Reihe weg sehr positiv drüber berichtet wurde.

Mit einem Land konnte ich mich persönlich sehr schnell anfreunden, weil über mehrere Generationen, dort auch noch meine eigenen Wurzeln sind, als es noch das Böhmische Reich gab. Somit fiel unsere Wahl auf Tschechien. Nicht nur, weil sie dort andere Möglichkeiten haben als in Deutschland, oder weil es dort wahrscheinlich günstiger sein würde, sondern eben auch weil ich mich dort ein wenig heimisch fühlte, da ich noch einige tschechische Verwandte selbst habe. So informierten wir uns also fleißig in tschechischen Kliniken. Für uns war die Standortwahl eher zweitrangig, wir mussten eben nur darauf achten, das dort auch vor der ICSI zuvor eine TESE gemacht werden kann. Eine Klinik hatte sogar ein komplettes Rundum All Inclusive Angebot, mit abholen und bringen, Übernachtungsmöglichkeit und bot quasi sowas wie eine Flatrate an. Was sich natürlich sehr überschaubar in Sachen Fixkosten rechnen ließe, von welcher Summe man dann tatsächlich ausgehen kann. Nur leider boten diese keine TESE an, sonst hätten wir es sicherlich in dieser machen lassen.


Nachdem wir uns dann für eine in Pilzen entschieden hatten, fuhren wir mit dem Zug im Frühjahr 2016 erstmalig zum Erstgespräch dort hin. Meine tschechisch Kenntnisse waren schon ein wenig eingerostet, nein, mehr als ein paar Worte und außer einen vollständigen Satz konnte ich sowieso kein tschechisch, aber das ist dort drüben vollkommen egal, da sie dort in der Regel auch jemand in der Klink haben, der mit einem deutsch spricht und alles übersetzen kann. Oft sogar die Ärzte selbst. Hier wurde uns nun die Prozedur erklärt wie das Ganze so ablaufen wird, in welchem Zeitraum und was es so ca. alles kosten wird. Die Kosten waren uns vorab allerdings schon bekannt, da auf den meisten Webseiten eigentlich immer Preislisten vorhanden sind. Darüber hinaus, musste ich in Deutschland noch einen genetischen Test machen lassen, da dieser in Tschechien wiederum Pflicht bei einer ICSI ist. Des weiteren wurden wir darüber aufgeklärt was wir für Möglichkeiten hätten, wenn nichts bei der TESE raus kommt und sollten uns vorsichtshalber schon mal mit dem Gedanken einer Samenspende anfreunden.

Wofür man hier in Deutschland locker bei 3.000,- € dabei ist, über sich noch psychologische Gespräche ergehen lassen muss, und wenn mich nicht alles täuscht auch noch nen Anwalt oder Jurist benötigt wird, wegen notarieller Beglaubigung und Vaterschaftsan- bzw. aberkennung, wäre dies in Tschechien recht unkompliziert gewesen. Allerdings wäre dies eine anonyme Samenspende gewesen, wo man lediglich drei Merkmale des Mannes hätte auswählen können. Sowas wie Größe, Augenfarbe und Haarfarbe. Das ist bei denen irgendwie im Gesetz so verankert. Samenspender erhalten dafür in der Regel lediglich eine minimale Aufwandsentschädigung, sollen wohl aber alles recht gebildete Menschen mit einem Hochschulabschluss sein. Wie dem auch sei, der Spaß kostet da drüben allerdings nur 100,- €.

Oktober 2016 war es dann soweit. Wir also wieder rübergefahren, damit ich mich erst mal unters Messer lege. Hierbei sei erwähnt, das die Kinderwunschklinik für diese Operation mit dem städtischen Universitätsklinikum zusammen arbeitet und ich mich in diesem ca. 30 Jahre zurückversetzt, wie zu DDR Zeiten gefühlt habe. Allerdings unwohl habe ich mich angesichts dessen jedoch dort trotzdem nicht gefühlt. Auch hier konnten die ein oder andere Schwester oder meine Anästhesistin auch deutsch. Nachdem ich die OP gut überstanden hatte und erwacht war, fuhr meine Freundin in die Klinik, um dort das Ergebnis zu erfahren. Als sie dann mit Tränen unterlaufenen Augen zurück kam und wieder vor mir stand, war mir fast klar, das wahrscheinlich nichts gefunden wurde. Naja ein bisschen wurde was gefunden, aber mehr als eine Hand voll, glaub exakt fünf waren es nicht. Trotz allem, wurden diese erst mal fachgerecht kryokonserviert und wir fuhren drei Tage später wieder zurück in die Heimat.

Drei Monate später, also Ende Januar 2017 wollten wir dann in die nächste Phase gehen, die Hormonbehandlung bei meiner Freundin einleiten, wofür sie sich extra Urlaub genommen hatte. Doch daraus wurde dann leider erst mal nichts, da der Tod meist nur den Lebenden einen Strich durch die Rechnung macht. Mein Papa verstarb sehr unverhofft und rasend schnell an einem aggressiven Krebs. 14 Tage zuvor, hätte nie jemand der ihn kannte auch nur im entferntesten daran gedacht, da er an und für sich fit wie ein Turnschuh war. Aufgrund dessen, den auf uns zukommenden Erledigungen und den Erbstreitigkeiten mit meinen anderen drei Brüdern, hielten wir es für sinnvoller unsere Pläne ein halbes Jahr weiter nach hinten zu schieben. Was denke ich, eine gute Idee war, da wir so entspannter an die Sache herangehen konnten. Viel zu Erben gab es nich, dafür allerdings viel zu streiten, wie es wohl meist üblich ist. Jedenfalls bekam ich, weil kein anderer meiner Brüder es haben wollte, das kleine Auto überlassen. Dieses pimpten wir ein wenig mit einer Dachbox und fuhren mit diesem und Campinggepäck Ende Juni 2017 erneut nach Tschechien.

Jetzt fragt ihr euch sicherlich was wir mit dem Campinggepäck wollten. Na wir Campen ganz gerne und wollten zuvor in der Nähe von Pilzen noch einen Campingplatz anfahren, um dort ein wenig zu campen. Mir fällt gerade auf, das wir zuvor glaub im April oder Mai 2017 für einen Tag kurz in Pilzen waren, um uns die Hormone zuvor abzuholen. Wenn mich nicht alles täuscht, hatten wir für diese 850,- € oder 900,- € oder so bezahlt. Wie dem auch sei, wir hatten Spitzenwetter beim campen, denn als in Berlin Ende Juni 2017 Land unter war, weil es da gegossen hatte ohne Ende, hatten wir auf den Campingplatz in Nepomuk (ein paar Km südlich von Pilzen) 30-35 Grad bei Sonnenschein. 2 Tage bevor wir los fuhren, begann meine Freundin mit der Hormontherapie und spritzte sich jeden Tag auf dem Campingplatz noch eine weitere Woche das Zeug. Zwischenzeitlich sind wir aller 3 Tage in der Klinik gewesen, um alles kontrollieren zu lassen. Dadurch das die Klinik südlich von Pilzen ist, mussten wir auch gar nicht immer durch die komplette Stadt fahren, sodass unsere Entfernung zwischen Campingplatz und Klinik gerade mal 30km waren. Das Campen hat natürlich auch einen finanziellen Vorteil gehabt, glaube für die Woche Unterkunft, hatten wir zusammen für die sechs Übernachtungen inkl. Stellplatz fürs Auto und Zelt gerade mal 75,- € zusammen bezahlt. Pensionen findet man allerdings auch relativ günstig in Pilzen. Wir hatten da unsere Stammpension, wo wir pro Nacht immer ca. 50,-€ gezahlt hatten. Es gibt aber auch noch wesentlich günstigere.

Die letzten zwei Tage auf dem Campingplatz, sollte meine Freundin, dann noch die Hormone zum Auslösen des Eisprunges einnehmen, drei weitere Tage quatierten wir uns in unsere Pension ein, wo sie weiterhin die Hormone nahm. Das hatten wir im Vorfeld schon so geplant, weil die Prozedur, je näher man dem Tag der Eizellentnahme kommt, um so ungemütlicher wird es für die Frauen. Um jedoch es einem in der Zeit so angenehm und komfortabel wie nur möglich zu machen, war die Pension bei uns eh schon mit einkalkuliert gewesen. Naja und dann war halt der Tag erreicht, an dem die Eizellenentnahme war. Davor die Tage waren wir wie schon geschrieben regelmäßig kurz in der Klinik, wo uns im regelmäßigen Update gesagt wurde, wie der Stand der Dinge ist. Sprich wieviele Eizellen sich gebildet haben und wie groß diese schon sind. Zu guter Letzt wurden meiner Freundin 17 Eizellen, ich glaube an einem Freitag, entnommen, was natürlich vor Ort in der Klinik gemacht wurde. Zwei, drei Stunden später, nachdem sich meine Freundin von ihrer OP erholt hatte, erfuhren wir dieses Ergebnis. Uns wurde von dem Arzt mitgeteilt, das aus meiner Probe nichts geworden ist und wir in zwei Tagen im Labor anrufen können, um uns über den Stand der Dinge zu informieren. Klar war meine Freundin, aber vor allem ich ein wenig geknickt, das diese dann wohl lediglich mit Fremdsamen befruchtet werden, aber dieses Risiko war uns ja bewusst. Zumal bei fünf eigenen Samen und 17 Eizellen, es sowieso schwachsinnig gewesen wäre die restlichen 12 verfallen zu lassen. Wir hatten also im Vorfeld eh schon dafür unterschrieben, das alle Eizellen die nicht mit meinen Kryokonservierten befruchtet werden mit einer Samenspende befruchtet werden.

Nun gut eine Übernachtung verbrachten wir daraufhin noch in unserer Pension, packten unsere sieben Sachen und wollten einen anderen Campingplatz anfahren, als wir allerdings spontan auf die Idee kamen, einen Tag bzw. Nacht doch auch mal nach Prag zu fahren, weil ich da schon ewig nicht mehr war und es eigentlich auch eine sehr schöne Stadt ist. Ein Besuch im Ufleku blieb natürlich nicht aus. Gerade angekommen und im Hotel eingecheckt, konnten wir es natürlich kaum erwarten und riefen im Labor an.

Die Biologin oder Laborantin sprach hervorragend deutsch und teilte uns mit das zwei Eizellen sich überhaupt nicht befruchten liessen und eine Samenzelle den Auftauvorgang nicht überstanden hatte, die restlichen Eizellen erfolgreich mit einem Samenspende ebenfalls befruchtet wurden. Wie jetzt??? Dachten wir uns, uns wurde doch gesagt, das aus meiner Probe nichts geworden ist. Daher mussten wir da natürlich gleich nochmal ganz genau nachhaken, ob sich die Biologin da auch wirklich sicher ist, was sie uns da mitteilt. Ja meinte sie, da hatte der Arzt wohl etwas verwechselt. Sie meinte, drei Eizellen die von mir befruchtet sind, sehen zwar nicht ganz so gut aus, eine jedoch entwickelt sich so wie es sein sollte. Sowie das drei mit der Samenspende Befruchtete sich auch nicht allzu gut entwickeln, aber wir sollen doch morgen dann wieder anrufen, damit sie uns genaueres sagen kann und auch ihre Empfehlung für den Zeitpunkt des Einsetzen der Eizellen aussprechen kann.

Uiii, das war dann natürlich erstmal ein richtiger Schock für uns, allerdings ein positiver, da wir die letzten zwei Tage davon ausgegangen sind, das ich auf keinen Fall der biologische Vater unseres Kindes sein würde. Naja, aber da war er wieder der funken Hoffnung, der wie ein kleines Kerzenlicht brannte, das man vor jedem Windhauch behüten musste, damit die Flamme nicht erlöscht. Wir konnten uns das kleine Wunder nur mit einem kleinen Kommunikationsfehler erklären, weil an dem Tag der Eizellentnahme die Krankenschwester die sonst immer übersetzt hatte nicht da war und wir mit unserem gebrochenem Englisch kommunizieren mussten. Wir hatten es uns so erklärt das der Arzt mit meiner Probe aus der nichts geworden ist, etwas anderes gemeint und irgendetwas verpeilt hat. Denn an dem Tag der Eizellentnahme ist es üblich, das der Mann noch eine frische Spermaprobe abgibt und wohlmöglich daraus auch noch was genommen werden kann, wovon wir allerdings keinen Gebrauch von gemacht haben, denn innerlich hatten wir uns auch schon mit der Samenspende zur Not angefreundet, falls es mit den Kryokonservierten nicht klappen sollte.

Nächsten Tag fuhren wir also wieder zurück nach Pilzen, unsere Pension war leider schon ausgebucht und so buchten wir in der Schwesterpension ein, die allerdings nicht ganz so komfortabel, dafür jedoch nur 30,- € die Nacht kostete und riefen wieder im Labor an. Wie schon von der Biologin vermutet, wurden drei von meinen und drei fremd befruchtete Eizellen verworfen, weil diese sich nicht weiter oder zum Teil zu schnell entwickelt haben. Uns blieben also noch genau eine von mir befruchtete Eizelle und acht weitere die mit einer Samenspende befruchtet wurden. Als idealen Zeitpunkt zum einsetzen der Eizelle, hat sie gleich den nächsten Tag vorgeschlagen. Für uns gab es hinsichtlich dieses Termins keine Einwände, denn wir dachten uns, auch wenn man es theoretisch in Tschechien glaube ich noch ein oder zwei Tage länger brüten lassen darf, wird sie schon ihre Gründe haben, warum sie diesen Zeitpunkt empfiehlt.

Gesagt, getan, am nächsten Morgen standen wir also wieder in der Klink auf der Matte um dort, die letzte Phase zu bestreiten. Alle Eizellen hatten sich weiterhin prächtig entwickelt. Der Arzt entschuldigte sich auch nochmal für sein Fauxpas und sprach im Beisein der Krankenschwester die immer übersetzte mit uns den Rest nun ab. Wir hätten uns auch dafür entschieden, sowohl meine als auch gleichzeitig eine Eizelle mit Spendersamen einsetzen zu lassen, jedoch ist das von der Gesetzeslage in Tschechien nicht möglich und so entschieden wir uns natürlich selbstverständlich dann dafür, die mit meinem Samen befruchtete Eizelle erst mal einsetzen zu lassen und die anderen acht Fremdbefruchteten auf Eis zu legen und zu kryokonservieren. Das Einsetzen ging recht schnell und meine Freundin sollte, dann nur noch zwei weitere Stunden im Bett in der Klinik verbringen. Der Transfer verlief erfolgreich und unmittelbar danach ging es dann schon wieder Richtung Heimat.

Nach drei Wochen wurde dann hier in Deutschland von der neuen Frauenärztin meiner Freundin, die Schwangerschaft festgestellt und so kam nach und nach immer ein Stück mehr Hoffnung zurück. Erst ab diesem Zeitpunkt informierten wie die Eltern meiner Freundin davon und setzten meine Mom davon in Kenntnis. Vor allem auch davon, was dies für ein langer Weg für uns war. Die Schwangerschaft selbst verlief im Grunde genommen ganz normal und ohne Probleme. Im März 2018 war es dann endlich so weit. Unsere kleine Maus erblickte das Licht der Welt. Wenn es ein Junge geworden wäre, hätten wir ihn zu 99% mit dem ersten Namen „Nepomuk“ genannt. Aber über eine Tochter haben wir uns ebenso sehr gefreut.

Lotto brauchen wir eigentlich nicht mehr spielen, denn unseren Gewinn haben wir ja schon, zumal ein Sechser im Lotto in unserem Fall wahrscheinlicher gewesen wäre. Aktiv werden wir diese ganze Prozedur sicherlich nicht noch einmal wiederholen, denn zur Not reicht uns ein Kind. Unwahrscheinlich das wir die auf Eis gelegten befruchteten Eizellen jemals auftauen werden. Trotz allem sagen wir uns im Nachhinein, es war die beste Entscheidung die wir getroffen haben. Denn was wir mittlerweile für Storys von Bekannten gehört haben, die es hier in Deutschland versucht haben, von weggeworfenen entnommenen Eizellen, über, nach dem X-ten Versuch wurde festgestellt, das die Schilddrüse nichtmal eingestellt war, bis hin das Eizellen eingesetzt worden sind, wo es scheinbar absehbar war, das dies nichts wird, weil diese sich nicht vernünftig entwickelt hatten, nur um an dem Leid von Paaren sich dumm und dämlich hier in Deutschland zu verdienen, können wir nur jedem empfehlen, über eine Klinik im Ausland mal ernsthaft drüber nachzudenken. Zumal auch diese im Falle eines Falles ebenso von den Krankenkassen übernommen werden würden. Also vorausgesetzt, das Sie diese hier in Deutschland auch übernehmen würden.

Der ganze Spaß, hatte uns mit TESE, Samen kryokonservieren, Hormone, mit assistend hatching eine ICSI, Transfer, befruchtete Eizellen kryokonservieren, Unterkunft und Fahrkosten so um die 7.000,- € - 7.500,- € gekostet, aber unsere kleine Vicky (ja Vicky nicht Victoria), war und ist jeden einzelnen Cent wert. Heute können wir jedenfalls stolz sagen: Unsere Vicky ist „Made in Czech Republic“.
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rebella67
Rang5



Anmeldungsdatum: 10.01.2002
Beiträge: 13217

BeitragVerfasst am: 16 Apr 2018 20:48 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

So ein schöner langer Bericht und dann noch von einem frisch gebackenem Vater!

Herzlichen Dank, lieber Chris, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Und Herzlichen Glückwunsch zur Tocher.
_________________
Liebe Grüße, Rebella
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chris-79-
Rang0



Anmeldungsdatum: 16.04.2018
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2018 00:30 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

vielen lieben dank,


wollte nach all meinen recherchen mal was im inet nachbessern.... mir haben die erfahrungen vom anderen geschlecht bei den antworten des kinderwunsches immer gefehlt... und wollt die quote nen bissl nach oben ziehen

zudem wollt ich auch jedem pörchen, vor allem selbstzahler mut machen, womöglich einen blick nach links und nach rechts ins ausland riskieren
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