hallo rebella,
du hast recht mit den 4 themenbereichen. ich wollte das nicht herunterspielen, aber das gerede von der ausbeutung finde ich etwas unreflektiert.
1. sehe ich eher unproblematisch. weil wenn man so will ist, wie bereits festgestellt wurde, jede arbeit ausbeutung. irgendjemand anders verdient daran, dass ich für ihn arbeite.
es würden wohl die wenigsten in ihrem aktuellen job arbeiten, wenn sie ausreichend geld hätten. also sicher nutzt man die arbeit auch um interessante aufgaben zu haben und sich einzubringen. dennoch würden sich die meisten wohl andere bereiche suchen, solche, die sie für wirklich wichtig halten, in denen sie sich dann verwirklichen würden. meine arbeit z.b. macht mir spaß, ich habe das privileg, das sich dort ziemlich frei schalten und walten und mich einbringen kann, dafür nicht nur geld, sondern auch anerkennung bekomme und mich nicht von irgendwelchen psychopathen herumbossen lassen muss. aber ich halte sie dennoch nicht für so gesellschaftlich relevant, dass ich sie ohne finanziellen druck tun würde.
für mich persönlich gibt es wesentlich unethischere tätigkeiten als eine leihmutter zu sein. z.b. arbeit in der rüstungsindustrie. wenn ich mich dazwischen entscheiden müsste, wär für mich die wahl klar.

einmal schaffe ich leben, das andere mal trage ich zum tod von menschen bei, die ich nie gesehen habe und die mir nichts getan haben...
reiche frauen: da denke ich eher, dass wenn die zwei sich einig sind, das in meinen augen auch ok ist.
und die ansichten ändern sich halt, was man an andere "delegieren" kann. früher ließen ja z.b. auch reiche frauen ihre kinder durch ammen stillen. ein gedanke, der in europa bei den meisten jetzt eher auf befremden stösst. so wird pflege- oder adoptivmüttern, die adoptivstillen, oft unterstellt, dass sie einer nicht vorhandenen schwangerschaft hinterhertrauern. obwohl das adoptivstillen in vielen anderen kulturen ganz normal und für die kinder z.b. beim todesfall der eltern sogar überlebenswichtig ist.
so ändern sich werte.
und ja, vielleicht gibt es auch frauen, die das aus altruistischen gründen machen.
2. das sehe ich bei entsprechender aufklärung auch eher entspannt. der aspekt der ausreise müsste sicher geklärt sein. ich verstehe nicht, wieso paare das in ländern machen, wo das kritisch ist.
3. in der tat ein problem. deine lösung ist in meinen augen auch die beste.
4. das ist in der tat ein großes problem. das ist der punkt, an dem mir das kind wirklich wie eine "ware" vorkommt, die man wegwirft, wenn etwas in der produktion nicht geklappt hat.
wie würdest du das lösen wollen?
man kann ja die leihmutter nicht zwingen, "gelungene" kinder abzugeben und die "schlechten" zu behalten??? ich würde dahin tendieren, dass die "auftraggeber" das nehmen müssen, was herauskommt, mindestens wenn die leihmutter der abtreibung nicht zustimmt.
weil man in meinen wertevorstellungen keinen zwingen darf, ein kind abzutreiben.
ein weiteres thema fällt mir noch ein: in wieweit dürfen sich die leihmütter die eltern aussuchen, für die sie tätig werden? bei der adoption z.b. haben die leiblichen eltern ein mitspracherecht. auch eine leihmutter müsste in meinen augen entscheiden können, wem sie das von ihr ausgetragene kind anvertrauen möchte, für wen sie arbeiten möchte.
es ist einfach nur grausam, ein kind für leute auszutragen, die einem überhaupt nicht liegen und wo man denkt, dass es das kind dort nicht gut haben wird.
diese befürchtungen hätte ich ganz persönlich auch bei leuten, die ohne medizinische indikation eine leihmutter suchen, ich würde wohl denken, dass eine frau, die sich z.b. wegen ihrer figur nicht mal eine schwangerschaft "ans bein bindet" auch später nicht für ihr kind einstehen wird und statt ihm zeit und interesse zu geben, später lieber geld investiert.
also wenn ich nachdenke, habe ich nicht in der theorie etwas gegen reiche frauen, die sich leihmütter kaufen, ist ja ok, wenn es eine leihmutter gibt, die das in ordnung findet. aber wenn ich in der situation entscheiden müsste, würde ich persönlich das für so eine frau nicht machen.
ich war ja total gerne schwanger und für eine familie, die mir vom lebensstil her liegt, hätte ich mir das vielleicht vorstellen können, zumal wenn ich quasi fürs nichts-tun gut bezahlt werde.
aber für ein paar, dem ich kein kind anvertrauen wollte, weil ich z.b. denke, dass es dort nur ein statussymbol ist und nicht wirklich geliebt wird???
da würde ich mir ein mitspracherecht wünschen, bei dem nicht nur die finanzielle not ausgenutzt wird.
liebe grüße
mondschaf