Brief an Kanzler?

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Gast

Brief an Kanzler?

Beitrag von Gast »

Hallo,
ich hatte da soeben eine Idee: Heute ist ja überall in den Zeitungen und im Internet zu lesen, dass der Kanzler ein Kind adoptiert hat und als Randbemerkung, dass der Kanzler bisher noch keine eigenen Kinder hatte in vier Ehen!
So und da dachte ich mir, könnten wir ihm nicht schreiben, da er ja selbst evtl. als Kinderloser betroffen ist. Vielleicht hat er Verständnis für unsere Sorgen und Forderungen rund um die GEsundheitsreform 2004!
Leider bin ich im Formulieren solcher offiziellen Briefe so schlecht, sonst würde ich euch gleich einen Entwurf mitreinschreiben hier.
Hat jemand von euch Lust?
Wie findet ihr die Idee?
Birge
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Frosch;o)
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Beitrag von Frosch;o) »

Hi Birge, die gedanken gingen mir auch durch den Kopp, dass er wohl als "Verursacher" nochmal auf die Gesundheitsreform und die neune Schwangerschaftszahlen kucken soll. Auch wollte ich ihm zu dem mutigen Schritt gratulieren, so im Rampenlicht die Adoption zu wählen. Aber die Schreiben lesen ja immer nur Praktikanten udn dafpür ist mir mein weniges Gehirnschmalz zu schade. Dabei wäre die Chance sicher nicht schlecht, trotzdem gehör zu finden.
Liebe Grüße von Anja
rebella67
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Beitrag von rebella67 »

Meine Gedanken zu dem neuen Kanzler-Kind

Ich finde auch, daß man da Briefe hinschreiben sollte. Die Menge macht es, auch, wenn sie nur von Praktikanten gelesen werden. Immerhin gehen interessante Briefe auch mal direkt an den Adressaten. Ich habe gestern von Herrn Westerwelle aufgrund meines Schreibens zum Thema Adoptionsrecht für Homosexuelle eine wie es scheint persönliche Antwort erhalten.

Aber erstmal vor der Formulierung eines Briefes meine Gedanken:

Warum werden die Schröders das Kind adoptiert haben?

1. Möglichkeit) Ein Kind war schon länger erwünscht, hat aber nicht geklappt. - Dann müssten sie doch das größte Verständnis für uns haben und wir dürften auf Unterstützung hoffen.
2. Möglichkeit) Ein Kind war sehr erwünscht ? aufgrund der vielen Aufgaben wollte sich aber des Kanzlers Frau keiner weiteren Schwangerschaft aussetzen. Außerdem sind 0 ? 3-jährige Kinder einfach sehr zeitaufwendig. Dazu würde das 3-jährige adoptierte Kind passen, das die chaotischste Zeit bereits hinter sich hat. - Aber auch in diesem Fall müssten sie erlebt haben, daß ein Wunsch nach einem Kind groß sein kann und Verständnis für uns aufbringen können. Man könnte an der Stelle ansetzen, sie daran zu erinnern, daß sich nicht jeder ein Kind für 15.000 Euro oder mehr (gleich ob durch ärztliche Unterstützung oder durch Adoption) erlauben kann und daß sie sich deshalb besonders glücklich schätzen dürfen.
3. Die Botschaft: ?Kanzlers haben ein russisches Waisen-Kind adoptiert? wertet ihr angekratztes Ansehen bei sozial orientierten Menschen reichlich auf. Erstens haben sie dem Kind ein finanziell sichergestelltes Leben ermöglicht und zweitens dem an Kindermangel leidenden Deutschland ein weiteres Kind geschenkt. Sozusagen mit gutem Beispiel voran. Außerdem fanden sie den Gedanken an ein weiteres Kind auch gar nicht so schlecht. - Ist ja erstmal ganz vernünftig. Allerdings springt für uns dabei heraus, daß die wenig informierte Gesellschaft wieder sagt ? na bitte, Leute, warum macht ihr noch IVF, geht doch nach Russland, diese Kinder brauchen Euch. Es wurde ja mit keinem Wort erwähnt, was dieses Kind gekostet hat. Hier täte also auch wieder Aufmerksammachen auf die hohen Kosten not. Bei der Summe fände ich auch die Debatte interessant, ob es ethisch ist, ein Kind zu kaufen. Vielleicht sollte die Regierung was dafür tun, daß es auch möglich wird, Kinder einfach nur zum Selbstkostenpreis (notwendige Flüge, ?) zu adoptieren. Menschenhandel ist abzulehnen und immerhin sollen doch die russischen Waisenhäuser froh sein, wenn jemand kommt, der diese Kinder adoptieren möchte. Ich habe ja den Verdacht, daß dort einige Leute extra Kinder in die Welt setzen, um damit Geld zu machen. Find auch auch nicht so toll. ? Außerdem sollten wir in dem Zusammenhang darauf aufmerksam machen, daß Adoption nicht jedermanns Sache ist und daß es auch berechtigt ist, wenn man sich ein genetisch eigenes Kind samt Schwangerschaft wünscht. Frau Schröder hat dies ja immerhin einmal erleben dürfen. Vielleicht fällt ihr auch daher die Adoption leichter.

Ich glaube einfach, mit Positiv-Botschaften kann man Politiker eher für sich gewinnen. Also erstmal loben, dann aber in dem Zusammenhang auf uns aufmerksam machen. Das fände ich gut.

Liebe Grüße, Rebella
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Stella38
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Beitrag von Stella38 »

ich mach mit.
Liebe Grüße
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Mondschaf
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Beitrag von Mondschaf »

Hall allerseits,

gute Idee! Bei der Gelegenheit fllt mir ein, dass ich hier mal gelesen hatte, Hr. Schröder hätte die Repromedizin als "Lilfestyle-Medizin" bezeichnet. Leider war schon damals keine Quelle dabei, weiß jemand, ob die Äußerung stimmt und hat jemand die Quelle?
Rebella, Du hast recht, positiv ist besser, trotzdem würd ich die Äußerung gerne zitieren, wenn sie denn so gefallen ist und die Quelle zuverlässig ist. Denn Repromedizin mit Schönheitschirurgie zu vergleichen find ich nun doch ein wenig daneben. Aber vielleicht hat er es garnicht gesagt.

Gruß

Mondschaf
Mit zwei Jungs geboren 2004 und 2007

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ – J. W. von Goethe

„Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es (zu) dir - für immer.“ - Konfuzius

*** Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. ***
Gast

Beitrag von Gast »

Hallo, danke für eure Antworten und Anregungen. Das mit dem Positiv formulieren finde ich auch gut. ICh kann aber wirklich grottenschlecht formulireen. Mal sehen ob ich am WE meinen Mann bewegen kann, ein paar Zeilen zu schreiben. Der kann so was voll und ist darin auch geschult und geübt.
SChreibt mir trotzdem fleißig eure Gedanken!
Birge
rebella67
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Beitrag von rebella67 »

Zum Thema Lifestyle-Medizin kenne ich nur die einzige Quelle von www.wunschkinder.net. Ich hatte das hier gesammelt: http://www.klein-putz.de/forum/viewtopi ... 06&start=0
"Der letzte Kommentar unseres Kanzlers zu diesem Thema war der Hinweis darauf, daß die Behandlung des unerfüllten Kinderwunsches "Lifestyle-Medizin" sei. Er setzt damit die Kinderwunschbehandlung mit einer Fettabsaugung oder operativen Brustvergrößerung gleich." ( aus News von www.wunschkinder.de vom 27 März 2004 ?Auch in England: Kostenübernahme für IVF neu geregelt? )

Habe noch eine andere Aussage vom Bundeskanleramt beim Suchen gefunden (von Anfang diesen Jahres) http://www.klein-putz.de/forum/viewtopic.php?t=16746
Zitate:
der Bundeskanzler ist sehr an den Briefen der Bürgerinnen und Bürger interessiert
der Anspruch auf Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung wird mit Wirkung vom 1. Januar 2004 zumutbar eingeschränkt.
Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Durchführung der künstlichen Befruchtung nimmt nach drei erfolglosen Versuchen deutlich ab.

Liebe Grüße, Rebella
rebella67
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Beitrag von rebella67 »

Der Vollständigkeit halber aus einem anderen Ordner hierher:

Adoptivvater mit 60 Jahren

Beratungsstellen: "Kanzler weckt gefährliche Hoffnungen"

Vom 18.08.2004

RHEIN-MAIN Seit der Bundeskanzler und seine Frau ein Kind aus Russland adoptiert haben, steht bei Ingeborg Lindauer das Telefon nicht still. Die Diplom-Pädagogin berät für den Verein "Global Adoption Germany" aus Oestrich-Winkel (Rheingau-Taunus-Kreis) Paare, die ein Kind aus dem Ausland adoptiert haben oder adoptieren wollen.

"Jetzt werden Paare anrufen, die 60 Jahre alt sind", sagt Ingeborg Lindauer mit Blick auf das Alter des Kanzlers, "und sagen: Ich will auch ein Kind." Zwar ist eine Obergrenze nicht gesetzlich festgelegt, aber der Altersabstand zwischen dem Kind und den künftigen Adoptiveltern sollte nicht größer als 40 Jahre sein. Das trifft bei Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf allerdings zu. "Außerdem müssen wir jedes Paar individuell überprüfen", erinnert die Diplom-Pädagogin. Gesundheit, Wohnverhältnisse, Einkommensverhältnisse... Wie sie da aus der Ferne die Schröders beurteilt? Da muss Ingeborg Lindauer doch lachen: So gut kenne sie den Kanzler nun wirklich nicht. Doch zum Lachen ist ihr eigentlich nicht zumute.

Viele Eltern glauben da, dass sich ihr Kinderwunsch im Ausland schneller realisieren ließe, erfährt "Global Adoption Germany" immer wieder - ein Trugschluss. "Und durch diese Geschichte werden vielen Leuten Hoffnungen gemacht, die gefährlich sind", meint Isabel-Theres Spanke, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes der Pflege- und Adoptivfamilien in Hessen mit Blick auf den Kanzler. "Denn generell sind die Chancen gering, ein Kind zu bekommen - und im Ausland ist es ein extrem schwieriges Procedere."

Zwar sind die Bedingungen von Land zu Land unterschiedlich. "Aber ein Jahr dauert das bestimmt", weiß Ingeborg Lindauer. Die Formalitäten kosteten gut 10000 Euro. So müssen die Eltern oft mehrmals ins Heimatland der Kinder reisen und Behördenaufgaben regeln - eine Achterbahn der Gefühle inklusive.

http://www.main-rheiner.de/region/objek ... id=1579352
Angie
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Beitrag von Angie »

Also ich finde, das man das auf jeden Fall versuchen sollte. Bin dabei. Sollen wir den Brief direkt an das Kanzleramt schicken oder hat der einen persönlichen Referenten oder so was? Welche Adresse habt Ihr?

Rebella, was hat Dir Guido Westerwelle geantwortet? Würde mich brennend interessieren.

LG, Angie
Ovaria
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Beitrag von Ovaria »

Hallo zusammen,

Ich halte den Brief an Kanzlers für eine ganz gute Idee. Obwohl es nichts an Reaktionen bringen wird. Weder Verständnis für die Situation der ungewollt Kinderlosen noch eine nachteilige Reaktion. Einfach nur keine.

Ich denke, dass Menschen wie Gerhard Schröder einerseits durch die Bedienung der Medien mit Informationen letztlich ihren Job erhalten oder Botschaften verbreiten wollen, ihnen andererseits aber das Private heilig ist.

Das Private (die Reproduktion kann man getrost als das Privateste betrachten) spielt aber auch für uns Nicht-Politiker eine große Rolle, zu mal wenn politische Entscheidungen direkt bis in diesen privatesten Bereich hineinregieren. Ich denke, den Frust (und alles negative an Reaktion) der durch die Bekanntmachung der Adoption ausgelöst wurde, finden der Kanzler und seine Frau verwerflich, empörend. Man kann allerdings nicht ein Land regieren und so tun als mache man nur seinen "Job" - persönliche Stringenz im Privaten und politischen Handeln wird von der Mehrheit der Bevölkerung wohl gerne gesehen, und die Forderung danach halte ich für berechtigt. Eben das kommt bei den Schröders nicht so rüber (meiner Meinung nach nicht nur auf dieser Ebene, aber das ist eine persönliche politische Einschätzung).

Sicher ist es für sie persönlich schön eine kleine Tochter zu haben.

Es wäre auch für alle Männer mit Reproduktionsproblemen schön gewesen im Werdungsprozeß der Gesundheitsreform einen so prominenten Mit-Betroffenen (unterstelle ich einfach mal!) an ihrer Seite zu wissen.
Fazit Reform: Männer über 50 dürfen nicht mehr, von der Solidargemeinschaft mitgetragen, reproduktiv tätig werden.

Es wäre auch für alle Frauen Ende 30- Anfang 40 schön gewesen zu wissen, dass KiWu gesellschaftlich statthaft ist und gewünscht.
Fazit Reform: Frauen über 40 dürfen nicht mehr, von der Solidargemeinschaft mitgetragen, reproduktiv tätig werden.

Es wäre generell für alle ungewollt Kinderlosen sehr schön, wenn Adoptionsrichtlinien transpareter und schneller umsetzbar würden (ohne das Kindeswohl aus den Augen zu lassen)...einfach weniger Bürokratie und Aufwand.
Fazit reform: Keine Verbesserung der bestehenden Lage.

Das hat alles nichts mit "Neiddiskussion" zu tun (ein wahrliches Todschlagsargument) - was ich persönlich an negativen Reaktionen dazu empfunden habe, entspringt eher einem tiefen Unverständnis dafür, wie kaltherzig Regierende (in identischer Situation wie wir) über unsere Bedürfnisse und Wünsche hinweggegangen sind. Gleichzeitig werden Maßnahmen zur Chancenverbesserung bei assistierter Reproduktion verweigert (Embryonenschutzgesetz) und Maßnahmen zur Beendigung embryonalen Lebens weiterhin undifferenziert als soziale Errungenschaft gefeiert.
Diesen "Mix" der unterschiedlichen Wertigkeit von Reproduktion jetzt mal unterstellend in die Person des Kanzlers hineintransponiert...welch seltsame Mischung und welch seltsame Basis für Vaterschaft.

Das stellt meine persönliche und zum teil politische Überzeugung zu diesem Adoptionsakt dar. Daher halte ich die Appellationsfläche für unser Anliegen am Kanzler und seiner Frau für "glitschig" bis nicht vorhanden. Versuchen kann man es aber denn noch.

Ovaria
"All animals are equal, but some animals are more equal than others."

G. Orwell, Animal Farm
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