Bitte um Mithilfe ? brauche Zahlen für Kosten von Frühgebore

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Veronique
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Beitrag von Veronique »

Hallo in die Runde -

weiß nicht, ob das bei den Recherchen weiterhilft, aber hier noch einmal die Meldung, die vor Wochen in bezug auf die künftige Frühchen-Versorgung kursierte...

"Baden-Baden (rpo). Nach Informationen des ARD Politikmagazins "Report Mainz" ist die ärztliche Versorgung von "Frühchen" mit geringem Geburtsgewicht in Gefahr. Im Katalog der sogenannten Fallpauschalen ist für Kinder, die bei Geburt weniger als 500 Gramm wiegen, keine Vergütung medizinischer Leistungen vorgesehen.

Auch bei der Versorgung der Kinder mit höherem Geburtsgewicht drohen drastische Einschnitte. Die Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin befürchtet, die derzeit gut funktionierende Versorgung der Frühgeborenen stehe dadurch "vor dem Zusammenbruch".

Die Kosten für die medizinische Versorgung solcher Frühchen liegen bei maximal 1.000 Euro pro Tag. Im Durchschnitt verbringen die Kinder etwa 100 Tage im Brutkasten. Auch für Kinder, die bei Geburt schwerer sind als 500 Gramm, drohen Leistungskürzungen. Insgesamt sollen die Kliniken nach den neuen Fallpauschalen durchschnittlich 25 Prozent weniger Geld ausgeben dürfen als heute. Diese Einsparung sei, so Linderkamp nur durch Personalkürzungen erreichbar.

Linderkamp geht davon aus, "dass cirka 1.000 Kinder weniger überleben werden und mindestens so viele Kinder zusätzlich behindert sein werden, alleine durch diese Veränderung des Vergütungssystems." Es sei "besonders tragisch, dass am Ende diese zerbrechlichen, kleinen Frühgeborenen ganz durch das Raster der Bezahlung fallen."

Zur Zeit haben in Deutschland auch Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 750 Gramm gute Überlebenschancen. Bislang wird die medizinische Versorgung aller Frühgeborenen von den Kassen bezahlt, unabhängig vom Körpergewicht. Professor Otwin Linderkamp, ärztlicher Direktor an der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg befürchtet, dass die neue Regelung gerade zu Lasten der Kleinsten gehen wird.

Im Interview mit "Report Mainz" warnt Linderkamp: "dass die extrem kleinen Frühgeborenen gar nicht mehr versorgt werden, also Kinder unter 600 Gramm, vor allem aber Kinder unter 500 Gramm oder Kinder mit einer Schwangerschaftsdauer von 22, 23 Wochen, weil die eben besonders hohe Kosten verursachen und das ist natürlich nichts anderes als Selektion."

Aus Sicht der Bundesregierung ist die Versorgung der Frühgeborenen jedoch nicht gefährdet. Marion Caspers-Merk, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium (>>Info) sagte "Report Mainz": "Es gibt von uns keine Benachteiligung, sondern dieser (Fallpauschalen-) Katalog ist mit Praktikern erarbeitet worden und ich gehe davon aus, dass dies nach sehr sorgfältiger und intensiver Prüfung erfolgte und es wird auch in Zukunft gewährleistet sein, dass die Versorgung der Schwächeren da ist."

Die zuständige medizinische Fachgesellschaft weist diese Darstellung zurück. Professor Ludwig Gortner, Vorsitzender der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin (>>Info) hatte das Bundesgesundheitsministerium bereits im Februar gewarnt, die Versorgung der Früh- und Neugeborenen in Deutschland stehe durch das neue Vergütungssystem "vor dem Zusammenbruch".

Gortner in "Report Mainz": "Diese Gesetzesvorlage ist - wenn sie eins zu eins umgesetzt wird - ein Zwang zu einer Auswahl der Patienten, die wir so nicht akzeptieren und umsetzen werden."

Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/ ... izin/14373

SWR Report direkt, mit der Möglichkeit, die Sendung auf Video anzuschauen:: http://www.swr.de/report/archiv/sendung ... rames.html




LG Vero :P
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Veronique
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Beitrag von Veronique »

Hier noch der Link zur Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin:

http://www.gnpi.de/

Dort findet man Statements und Ansprechpartner, die sicher auch was zur aktuellen Abrechnung der Frühchen-Kosten sagen können!

LG Vero
rebella67
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Beitrag von rebella67 »

Hallo Veronique, danke für den Text. Hatte ich auch schon irgendwo gelesen, gehört aber hierher. Gnpi.de werde ich mal im Auge behalten.

Hallo Mondschaf, danke für´s googlen. Da waren ja schon mal eine Reihe wichtiger Infos dabei, z.B. 6% Frühchen im Durchschnitt, mehr als eine Mrd. Euro Kosten für Schwangerschaftsbetreuung und Krankenhausaufenthalt des Kindes, Mortalität und Morbidität. Damit ließe sich schon was anstellen. Habe auch schon wieder gerechnet und unter der Voraussetzung, daß diese Zahlen stimmen und unter Berücksichtigung von diversen Tatsachen, käme ich bisher nur auf ca. 30 Mio. Euro für Schwangerschaftsbetreuung und Krankenhausaufenthalt der Kinder (bezogen auf die durch eSEL reduzierte Anzahl von Frühgeburten). Damit haben wir unsere Kosten natürlich noch lange nicht erreicht. Die Daten zur Morbidität sind mir noch zu schwammig. Da müsste noch irgendwo was zu finden sein. Mit 30 Mio können wir sicher nicht argumentieren.

Über eine Sache bin ich allerdings gestolpert. 6% Frühchen im Durchschnitt ? lt. IVF-Register sind es bei den Einlingen bereits 17%! Ich habe ja bisher abgestritten, daß diese Rate erhöht sei. Ich meinte, das könne sich nur auf die Mehrlinge beziehen. Die Zwillinge haben übrigens 74,4% und die Drillinge 96,6% (alle Kinder bis 37+0). Mhm ? die Ursachen dieser gravierenden Differenz täten mich schon interessieren.

Liebe Grüße, Rebella
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Mondschaf
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Beitrag von Mondschaf »

Hallo Rebella,

die Aussage mit Kosten von 1 Milliarde ist aus einem Buch, es wird in dem einen Link auch als Literaturhinweis genannt. Eventuell könnte man den Autor kontaktieren, ist allerdings von 199*. Aber da dürfte sich ja nicht so viel geändert haben.
Die Zahl scheint öfter zitiert zu werden.

Die Abweichung zwischen 6% und DIR finde ich auch erstaunlich. Nun ist es ja bei natürlichen Ss nicht so einfach, den Zeugungstermin und somit die SsWoche zu bestimmen. Nur bei KB kennt man ihn genau.
Die von Dir geschilderten immensen Abweichungen kann ich mir allerdings fast nur mit einer abweichenden Definition eines Frühchens erklären. Vielleicht sind die im DIR strenger. Die Raten bei den Mehrlingen sind ja erschreckend, ein Grund mehr für die Einführung des im anderen Ordner diskutierten Verfahrens. Hatte nicht mehr im Kopf, dass es sooo viel ist.

Hab übrigens wg. DIR noch keine Antwort.

Liebe Grüße :D

Mondschaf
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Beitrag von rebella67 »

Hallo Mondschaf,

ich denke auch nicht, daß sich so viel geändert hat seit 1997. Allenfalls müßte man die Inflationsrate noch draufrechnen, was aber auch nicht so viel bringt. Es heißt aber in dem Text ?über 1 Mrd.?, was auch evt. 1,2 oder 1,3 Mrd. sein könnten. Aber selbst 40 Mio Euro
wären für uns als Agument zu wenig.

Die Begründung mit der falschen SSW würde ich nicht gelten lassen. Das lässt sich schon relativ genau bestimmen und Abweichungen sind ja sowohl nach oben als auch nach unten drin. Eine abweichende Definition ist auch nicht der Fall, denn in Deiner Quelle http://www.saling-institut.de/german/04 ... 1allg.html steht das so: ?Die Rate an Frühgeborenen (< 37+0 SSW) in Deutschland wird auf ca. 6 % geschätzt.? Deshalb habe ich zum Vergleich alle Kinder bis zur Vollendung der 37.SSW aus dem D.I.R. herausgezogen. Zu dem Zeitpunkt ist ein Kind reif für die Geburt, d.h., es schadet nichts, wenn es mit 37+0 geboren wird. Alle Geburten vor diesem Termin sind kritisch.

Eine so gravierende Abweichung muß handfeste Ursachen haben. Zu einem Teil wird es das höhere Durchschnittsalter bei IVF sein, was aber auch nicht alles sein kann. Sollte der Rest z.B. auf Reprogrammierungsdefekte zurückzuführen sein (http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/art ... p?id=38271), dann würde das wieder gegen eine länger als nötige Kultivierung sprechen. Vielleicht liegt aber auch ein Teil der Ursachen bei den Frauen selber (körperliche und psychische Verfassung). Ob es dazu auch schon Studien gibt? ? Ich frage mich ja nach dem o.g. Artikel, warum es unseren Doc´s dann relativ egal ist, ob der Transfer am 2. oder 3. Tag stattfindet.

Ich habe jetzt noch zusätzliche 14 Kinder mit reduziertet Intelligenz, 20 mit reduzierten Schulleistungen, 37 mit Störungen der Grobmotorik, 28 mit reduzierter Anpassungsfunktion, 39 mit Verhaltensproblemen, 68 mit Sehstörungen, 26 mit Hörstörungen und 12 mit Zerebralparese (was ist das?) ermittelt. Wobei nicht jedes der Kinder nur eine Störung aufweist. Es sind mehrere Kinder dabei, die mehrere dieser Störungen haben. Dazu wird man wohl schwer Zahlen finden, welche Kosten das in der Summe verursacht.

Ich hatte auch nicht erwartet, daß es wegen dem D.I.R. schon eine Antwort gibt. Ich las ja kürzlich, Prof. Felberbaum praktiziert in Lübeck. Da haben die unser Schreiben hoffentlich von Bad Segeberg recht bald an ihn weiter geleitet.

Liebe Grüße, Rebella
JBB
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Beitrag von JBB »

Zerebralparese=
Die infantile Zerebralparese ist eine bei Kindern auftretende meist spastische Störung des Nerven- und Muskelsystems.

Es handelt sich hierbei um einen nicht fortschreitenden Endzustand einer funktionellen Hirnschädigung. Die zu Grunde liegende kindliche Hirnentwicklungsstörung kann unterschiedlichste Ursachen haben. Sauerstoffmangel, Nabelschnurkomplikationen, Infektionen, Hirnblutungen und Unfälle können zum Zeitpunkt vor der Geburt (pränatal), im Laufe der Geburt (perinatal) oder nach der Geburt (postnatal) zur infantilen Zerebralparese führen.

Das klinische Gesamtbild zeichnet sich durch sehr unterschiedliche komplexe Bewegungsstörungen aus, die sich auf die Bereiche Tonus, Stärke, Koordination und Bewegungsabläufe der Muskulatur beziehen.

Die infantile Zerebralparese ist in den häufigsten Fällen eine Mehrfachbehinderung. Insgesamt kommt sie bei etwa bei 0.2 %, also 2 von 1000, aller Lebendgeborenen vor. Insbesondere sind Frühgeborene betroffen, so dass sehr kleinen Frühchen etwa 100-300 mal häufiger an einer ICP leiden als am errechneten Termin geborene Babys.
Liebe Grüße
Bea

mit zwei erwachsenen ICSI Kindern
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Beitrag von rebella67 »

Vielen Dank, Bea. Da wissen wir es ja gleich genau. Nun bräuchten wir "nur" noch die Kosten, was so ein Mensch mit eben dieser Krankheit (die anderen genannten auch) im Laufe seines Lebens wegen dieser Krankheiten so für Kosten verursacht.

Schönes Wochenende Euch allen! Rebella
rebella67
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Beitrag von rebella67 »

"Die intensivmedizinische Versorgung einer Frühgeburt kostet bis zu 80 000 Euro", rechnet Klaus Diedrich, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) vor. "Die jährlichen Gesamtkosten für Frühgeburten übersteigen deutlich die Kosten für künstliche Befruchtungen, die bei etwa 500 Millionen im Jahr liegen."
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