Baby auf Rezept - Spiegel-Artikel vom 21.01.2001

Unsere Hauptkategorie. Hier wird über alles rund um den Kinderwunsch diskutiert. :-)
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ElaZ
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Beitrag von ElaZ »

Tut mir leid Sanne, aber da kann ich Dir absolut nicht zustimmen.
Es mag durchaus diese Leute geben, die 40jährige Akademikerin, die einfach noch keine Zeit für ein Kind hatte, keine Frage.
Aber ich weigere mich absolut denen zu erlauben, uns alle als sexmuffelige, karrieregeile, madonnaalsvorbildnehmende, gierig eizellergatternde und was weiß ich noch alles, Frankensteinproduzentinnen hinzustellen.
Sicher spielt das Alter eine große Rolle in unserer Zeit, weil sich einfach unsere Lebenswege komplett von denen der Frauen noch vor 50 Jahren unterscheiden.
Aber das ist eben eine Entwicklung, so gut oder so schlecht sie auch sein mag, die wir akzeptieren müssen.
Klar sind Frauen, die erst einmal etwas lernen und dann einen Beruf ausüben im Durchschnitt älter als diejenigen, die sich eben schon in frühen Jahren für eine Familie entschieden haben.
Da gibt´s kein besser oder schlechter, das ist eben Tatsache.
Und dann sollte man eines nicht vergessen, bis auf die letzten Jahrzehnte, war es einfach gang und gebe, daß ein Mädchen für unsere Verhältnisse ziemlich früh verheiratet wurde und das dann auch meistens gezwungenermaßen auch blieb.
Heute ist es eben (zum Glück!!) ganz anders und somit gibt es eben auch viele späte Mütter.
Daran werden wir im Moment kaum etwas ändern, das ist der Lauf der Zeit und ich weigere mich, mich deswegen andauernd von irgendwelchen Menschen, die noch nie in dieser Situation waren, sonst würden sich solche Artikel bestimmt anders anhören, aufs Übelste beschimpfen zu lassen.
Ich bin KEINE Möchtegernmutter.
Ich bin KEINE Frankensteinmacherin.
Ich will KEIN Designerbaby.
*keuch*
Und noch was, in dem Artikel stand so zynisch: man würde so tun, als ob Unfruchtbarkeit eine behandelbare Krankheit, so wie etwas Diabetes wäre....DAS UNTERSCHREIBE ICH VOLL UND GANZ!!!
Es IST eine Krankheit.

Und Sanne, nicht daß Du mir das hier jetzt persönlich nimmst, ich hab nur mit Dir angefangen und der Rest geht natürlich an die "Doofe-Artikel-Produzenten".
Vielleicht steht ja wirklich noch was Wahres drin und ich hab´s jetzt voller Wut überlesen?


liebe Grüße
ElaZ
Sanne
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Beitrag von Sanne »

keine bange, ich nehm das nicht persönlich :wink:
bleibe aber erst mal bei meiner meinung :smile:

Sanne
Schnellchen
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Beitrag von Schnellchen »

Ich persönlich fühle mich durch den Artikel schon angegriffen. Ich habe meinen jetzigen Partner erst mit 39 Jahren kennengelernt. Früher habe ich auch ohne Verhütung mit meinem Ex geschlafen. Erst im Alter von 40 kam heraus, dass bei mir die Gebärmutter nicht die richtige Voraussetzung für ein Kind hat. Weiterhin kommt die Unfruchtbarkeit meines Mannes hinzu. Und dann muss ich mir, weil mit 40 noch der Kinderwunsch erwachte, einen solchen Artikel gefallen lassen und mich pauschal abstempeln lassen?

Weiterhin lässt der Artikel ohne jede Berücksichtigung die vielen Jahre, die jüngere Frauen mit dem Kinderwunsch "einfach so verschwenden", weil sie nicht wissen, woran es liegt, dass sie schwanger werden. Unberücksichtigt bleibt auch, dass in den meisten Fälle es am Mann liegt.

Sicher wird es Trendwenden in der Zukunft geben. Aber über die Realität jetzt und heute wird kaum berichtet. Prominente wie Madonna, Gaby Bauer, Birgit Schrowange oder diese amerikanische Fotografin (52) werden angeführt - aber wo bleibt da die Realität, dass z.B. 29-jährige bereits in die Wechseljahre kommen; dass es Endometriose gibt?

Alles das bleibt mal wieder auf der Strecke. Und dann die Aussagen einiger Repromediziner in diesem Artikel - da wird mir ganz anders und ich sehe mich nur noch als eierlegende goldene Henne, bei der die Psyche auf der Strecke bleibt, damit die Repromediziner eventuell mit mir ihre Statistik wieder aufmöbeln können..

Das sind so die ersten Gedanken nach dem Einstellen und Lesen des Artikels..

Und ich kann mich in allen Punkten Samira nur anschließen...

Iris
Barbara
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Beitrag von Barbara »

Was mich ärgert ist die Schuldzuweisung. Hätten sie halt früher...., wären sie jetzt Mütter. Wo kommen wir denn da hin, wenn in unserer Zeit, der frühen Mutterschaft zuliebe auf eine fundierte Ausbildung verzichten sollten. Die Frauen in der Wirtschaft sind unverzichtbar.
Wir tragen nicht unerheblich zum volkswirtschaftlichen Ergebnis bei.
In der weltwirtschaftlichen Lage steht fast jeder Arbeitsplatz zur Disposition. Kann sich eine Familie überhaupt leisten nur einen ausgebildeten Verdiener zu haben. Wird der Mann arbeitslos, gibt es noch das Einkommen der Frau.
Wenn man es mal von der familien-betriebswirtschaftlichen Sicht sieht. Ganz zu Schweigen von unserem Selbstverständnis als Frau. Ich wäre im Leben nicht auf den Gedanken gekommen mich wirtschaftlich und ohne Ausbildung abhängig zu machen.
Die Diskussion in der Öffentlichkeit driftet geradezu in die 60er Jahre ab, wo ernsthaft überlegt wurde ob die Frau arbeiten darf!!!!
Laut Ehestandsrecht ist das sogar erst seit den 70er festgelegt, dass frau ihren Mann nicht um Erlaubnis bitten muß, wenn sie arbeiten geht.

Ich weigere mich, mich für meine Lebensplanung in Deutschland rechtfertigen zu müssen.
Abgesehen davon, dass wir mit Ende Zwanzig schon das Dilemma hatten.
Und um diese Vielen geht es ja auch. Wer hier im Forum gelandet ist hat eine zweifelhafte Karriere hinter sich. Ich glaube kaum eine Frau oder Mann ist hier, die/der sich spontan zum Desigenrbaby entschlossen hat.
*grummel*
Aber es ist doch echt zum kotzen, dass wir in die Rechtfertigungsschine gedrängt werden.


_________________
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Hibiscus
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Beitrag von Hibiscus »

Hallo Zusammen,

ich muß gestehen, ich habe den Artikel nicht gelesen. Aber wenn ich mir die Reaktionen hier so ansehe, dann denke ich, das dieser Artikel wieder nur mäßig ist und den Paaren in der Kinderwunschbehandlung nicht gerecht wird.

Manchmal denke ich, nur wir können überhaupt was zu dem Thema sagen, abgesehen vielleicht von der medizinischen Seite aus, aber da sind einige ja mittlerweile durchaus Experten. Wir müßten eigentlich einen Artikel schreiben, mit unseren eigenen Ansichten, oder noch besser ein Buch. Als Info für alle und als Selbsthilfe für Betroffene.

Einen schönen Abend wünscht

H.
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Veronique
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Beitrag von Veronique »

Hallo in die Runde!

Ich fand die Darstellung der KIWU-Klientel auch sehr einseitig - schließlich verhilft sie vielen Paaren unter der magischen Altergrenze von 35 - 40 Jahren, die aufgrund eindeutiger medizinischer Probleme auf natürliche Weise nie ein Kind bekommen könnten, zu Nachwuchs. Da ist es für mich nicht einsichtig, dass alles auf die karrieregeile Akademikerin reduziert wird. Und dass die Männer als Verursacher von unerfülltem Kinderwunsch in diesem Artikel keine Rolle spielen, finde ich unmöglich.
Was mir auch missfällt, ist die Häme, die mitschwingt, wenn eben von diesen Frauen Ende 30 / Anfang 40, die gerne noch ein Kind wollen, die Rede ist. Was können wir Frauen dafür, dass die Zeit, in der wir vernünftigerweise Kinder zeugen wollen und können, sehr begrenzt ist??? Darüber muss man sich doch nicht lustig machen!!! Männer haben dieses Problem nicht.

Aber dass dies thematisch angesprochen wird, ist ein sehr positiver Aspekt des Artikels: wir müssen uns mit den biologischen Grenzen auseinandersetzen, so tragisch es auch ist. Man sollte wirklich auch hier in Deutschland Aufklärungsarbeit leisten, nach dem Motto: junge Frauen, passt auf, eure fruchtbaren Jahre sind begrenzt. Die Repromedizin kann auch nicht alles retten.
Ansonsten finde ich den Artikel sehr gut recherchiert - vor allem die Mehrlingsproblematik fand ich gut geschildert. Schade, dass nicht mehr die Absurdität des deutschen EmbryonenenSchG erwähnt wurde.

Veronika
Barbara
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Beitrag von Barbara »

Ihr Lieben,
aber dennoch der Bericht ist für newcomer ja so übel nicht. Wer sich nur mal eben so ein bisschen mit dem gerade aktuellen Gesellschaftsproblemchen 'updaten' möchte um beim smalltalk (ggffs. Chef Einschleimen. "Ach hat ihre Frau! Probleme mit dem Kinderkriegen") mit Halbwissen und interlekktuel anspruchsvoller Polemik zu glänzen, na dafür reicht es.



Barbara
Barbara
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Beitrag von Barbara »

Hey Hibiscus,

mein Buch - 'Alles wird gut, sagt ein kinderloses Paar' - ist in Produktion. Das wird im Frühjahr verfügbar sein. :smile:
Mehr dazu auf meiner HP http://alles-wird-gut.info/ die aber leider noch Baustelle ist.
Barbara
Schnellchen
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Beitrag von Schnellchen »

Barbara ich wusste gar nicht, dass du so ironisch sein kannst *ggg* - aber dein letztes Posting ist einfach göttlich - das ist ja fast wie ein Gespräch beim Frisör *ggg*.

Iris
jocaste
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Beitrag von jocaste »

Hallo mal in die Runde,

möchte mich auch noch an dieser leidigen Diskussion beteiligen. Auch ich habe mir den Spiegel in voller Enthusiasmus am Montag morgen auf dem Weg zum Arzt gekauft. Der erste Dämpfer kam dann schon beim Arzt, der diesen Artikel als mal wieder zu reisserisch bezeichnete. Leider hat er in meinen Augen vollkommen recht. Der Artikel befasst sich wirklich wieder einmal nur mit dem schon wohlbekannten Klischee, dass Frauen die sich dieser Behandlung unterziehen nur von Karriere bessessen sind und dann nichts besseres mehr vorhaben Kinder zu bekommn, weil ja sonst das Leben nicht lebenswert sei. Damit ist in meinen Augen das Thema schon wieder voll daneben. *manregeichmichhierwiederauf*
Wir selber haben vor zwei Jahren nach 5 Jahren Kinderwunsch und 3 Jahren Behandlung mit 32 und 33 Jahren (also noch sehr jung in den Augen des Autors oder??) unsere Zwillinge bekommen. Dabei lag das eigentlich Problem nicht nur bei mir sondern auch bei meinem Mann. Von solchen Paaren, die jahrelang ihre Zeit in der "normalen FA-Praxis" vergeuden, weil das eigentliche Probelm nicht erkannt wird (so. z.B. Probleme beim Mann, fehlende Eisprünge etc., die in der normalen FA-Praxis scheinbar nicht existieren, da dort jeder einfach nur so ss wird) ist in diesem Artikel nicht die Rede. Also ist das mal wieder ein Versuch, die landesübliche Meinung von KIWU-Paaren zu unterstützen und somit für uns keinesfalls dienlich. Ich wundere mich immer, warum nicht endlich mal ein Autor wirklich auf die Idee kommt, über die gesamte KIWU-Behandlung vernünftig zu schreiben. Vielleicht sollten wir das wirklich mal selber in die Hand nehmen.

Sodele das mein kurzer Komentar zu diesem Thema, das mich immer noch aufregen kann.

Liebe Grüße

Liebe Grüße
Elke mit den Twins Caroline und Stefanie und der Ones Alexandra

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