"Im Gesundheitswesen steigen die Kosten weiter an"

Aktionen, (Leser-) Briefe, TV-Beiträge als Downloads, etc.
Antworten
Ovaria
Rang0
Rang0
Beiträge: 163
Registriert: 28 Mai 2003 16:15

"Im Gesundheitswesen steigen die Kosten weiter an"

Beitrag von Ovaria »

zur Info:

VERSCHLEPPTE KRANKHEITEN
Wegen Praxisgebühr
Durch die Praxisgebühr werden laut Kassenärzten viele Krankheiten verschleppt. Bei Erkältungs- und Atemwegserkrankungen sei dies durchgängig zu beobachten, so der Vizechef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Er habe noch nie so viele verschleppte Lungenentzündungen gesehen wie in der jüngsten Zeit. (dpa)

taz Nr. 7432 vom 11.8.2004, Seite 6, 12 Zeilen (Agentur)

und aus der heutigen Ausgabe meiner Tageszeitung (Aachener Zeitung) von Seite 1...leider nicht online verfügbar (frage mich warum :( ):

"Im Gesundheitswesen steigen die Kosten weiter an"

Kassenärtzte sehen Mehrbedarf in Milliardenhöhe. Hansen: Krankheiten werden zunehmned verschleppt. "Schwieriger Spagat"

Berlin. Trotz aller politischen Sparanstrengungen sehen die Kassenärzte weitere Kostensteigerungen im Gesundheitswesen voraus. Wie eine Berechnung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ergab, besteht schon jetzt bei sieben Krankheiten ein Mehrbedarf von 2,24 Milliarden Euro. Dieser betrag wäre nötig, wenn alle patienten "optimal" therapiert würden, erläuterete der Vizevorsitzende der KBV, Leonhard hansen (Alsdorf). Zynisch gesagt müsse man froh sein, dass nicht alle Kranken, die Hilfe benötigten, sich behandeln lassen. Gründe für die geringeren Arztbesuche seien die Herausnahme mehrerer medikamente aus der Erstattung durch die kassen sowie die Praxisgebühr. Krankheiten würden dadurch zunehmend verschleppt.
Bei Erkältungs- und Atemwegserkrankungen ist dies laut hansen bereits durchweg feststellbar.
Zu den analysierten Krankheiten zählen die koronare herzkrankheit, Osteoporose, Depressionen und Asthma sowie Alzheimer, Tumorschmerzen und die angeborene Krankheit Mucopolysaccharidose. Gemeinsam mit dem 2003 errechneten mehrbedarf für zehn weitere Karnkheiten belaufe sich die Summe der zusätzlichen Kosten auf 6,19 Millionen Euro. Den Zahlen lägen "defensive berechnungen" zu grunde, betonte Hansen. Die Politik forderte er auf, den mehrbedarf bei künftigen Entscheidungen zu berücksichtigen. Zwar bekomme in Deutschland jeder Patient das, was er braucht, doch "bewegen wir uns bei einigen Krankheiten ander Grenze zur Rationierung", warnte Hansen. Verantwortlich dafür seinen "die strikten Sparvorgaben der Politik, verbunden mit permanetnten Vorwürfen an die Ärzteschaft" wegen zu viler und zu teurer Verordnungen. "Diese Sparpolitik zwingt die Ärzte zu einem schwierigen Spagat zwischen Kostendruck und Sicherstellung einer optimalen Versorgung für den Patienten", fügte der Ärztevertreter hinzu. (ddp)

...macht was draus, Leute...mir fällt da langsam nichts mehr zu ein. Außer:

1.) Haben Patienten auch so eine Lobby (wie z.B. die Ärzte)? Bitte kommt mir nicht mit Frau Kühn-Mengel :roll:.

2.) Kann man behaupten, dass es politisch gewollt (weil ökonomisch effizient) ist, dass die Qualität und die Quote der früh erkannten und behandelten Krankheiten sinkt? Das spart Kosten und führt in letzter Konsequenz zu einem beschleunigten Ableben derer in der Bevölkerung, die a) wenig Geld haben und b) deren Bildung für gesundheitlichen Zusammenhänge nicht hoch ist.

3.) Der Kanzler hat mal in einer Rede vor dem Bundestag gesagt, dass man die Armen nicht an ihren Zähnen erkennen soll. Kann man wohl auch bald nicht mehr, denn die Zähne sind wohl dann das geringere Problem der ernsthaft terminal Erkrankten, die sich nicht rechtzeitig in ärztlichen Behandlung begeben haben.

LG Ovaria
"All animals are equal, but some animals are more equal than others."

G. Orwell, Animal Farm
Werbeslider mit Buttons
Ruxi
Rang0
Rang0
Beiträge: 185
Registriert: 04 Mai 2002 02:00

So ist es...

Beitrag von Ruxi »

Ich habe das schon früher hier geschrieben. Es sind und werden immer mehr sein, Leute die sich den Praxisgebühr und die Medikamente Zuzahlungen nicht leisten können (Sozies, Langarbeitslose, Ausländer, Rentner usw.) und die werden in eine schreckliche Lage gelangen.Hartz IV hilft auch dazu!
Es geht nicht nur um Lungenenzündungen, sondern auch um andere Krankheiten.
Man schlept die Krankheiten bis es zur schwere Behandlungen und Notlagen kommt und die kosten dann viel mehr.
Es geht auch um Augenkrankheiten und die Sehkraft, auch um Entzündungen die sich dann verschlimmern usw.
Zahnbehandlung ist auch sehr ernst. Warum wurde (oder du sagtest das Ovaria), man wird die Arme nicht an den Zähnen erkennen weil es nicht so wichtig ist?
Ja, es gibt schwierigere Krankheiten, aber die Zähne sind auch wichtig.
Man geht nicht zu eine kleine Füllung und dann kommt man zu große Entzündungen, dann verliert man die Zähne und Ersatz kann man sich nicht leisten.
Man wird Leute ohne Zähne auf der Straße grinsen sehen.
Wem wird das bitte schön helfen, oder nützen?

Ruxi
Ovaria
Rang0
Rang0
Beiträge: 163
Registriert: 28 Mai 2003 16:15

Beitrag von Ovaria »

Hi Ruxi,

da hast du mich wohl nicht richtig verstanden.

Sicher sind Zahnprobleme wichtig, aber doch nachweislich auch die Art von Erkrankung, die man durch gute und regelmäßige Zahnpflege am besten selbst in den Griff bekommen kann. Da macht gesteigerte Eigenverantwortung ausnahmsweise wirklich Sinn.

Schlimmer als einen nichtbehandelten hohlen Zahn finde ich eine unerkannte Krebserkrankung (z.B. weil das Budget erschöpft war für die notwendige Differentialdiagnostik, weil man die Zuzahlung zur Früherkennung nicht ausgeben konnte, weil vielleicht wirksame Medikamente von der KK nicht bezahlt wurden, weil für die spezielle Erkrankung zwar wirksam aber nicht zugelassen etc.).

Schröder hat gesagt: "Man soll Arme nicht an ihren Zähnen erkennen können."

Ich sage: wenn Arme wegen der o.g. Gründe schon früher versterben, als eigentlich nötig, ist es egal ob mit oder ohne gute Zähne.

Ovaria
"All animals are equal, but some animals are more equal than others."

G. Orwell, Animal Farm
rebella67
Rang5
Rang5
Beiträge: 13586
Registriert: 10 Jan 2002 01:00

Beitrag von rebella67 »

? Mir ist es ja auch so gegangen. Habe ja auch auf den Arztbesuch verzichtet. Nicht unbedingt, weil da nun so gar keine 10 Euro mehr da waren, sondern eher, weil ich mir das auch nicht leisten wollte. Beim ersten Mal ging das voll schief und endete am Samstagabend mit einem Notarztbesuch. Dadurch wurden dann für mich in dem Quartal gleich 2mal 10 Euro fällig. Und für die Kasse war der Notarzt sicher auch teurer als ein Hausarzt. Beim zweiten Mal ging es gut, da haben Kasse + ich wirklich gespart.

Ich kann mir das sehr gut vorstellen, daß viele Leute durch die Gebühr Krankheiten verschleppen.

Liebe Grüße, Rebella
Benutzeravatar
Koenigstigerin
Rang1
Rang1
Beiträge: 928
Registriert: 10 Jul 2003 11:03

Beitrag von Koenigstigerin »

Hallo,

moechte dazu mal noch was anderes schreiben.
Schon vor der Gesundheitsreform gab es Budgets an die sich die Aerzte halten sollten. Wenn sich dann z.B. ein Internist auf Tumorbehandlungen spezialiesiert hatte durfte er sich regelmaessig mit den Kassen vor Gericht rumschlagen um an sein Geld zu kommen, denn oh Wunder er hat doch tatsaechlich mehr Krebsmedis verschrieben als ein durchschnittlicher Internist. Die Kasse wurde zwar jedes mal dazu verurteilt die Kosten tragen su muessen aber trotzdem haelt man sowas finanziell und psychisch nicht lange durch. Denn Gerichtsverhandlungen dauern nunmal ihre Zeit. Was das fuer die Patienten zur Folge hat ist wohl klar, denn die muessen dann zu einem Wald- und Wiesen Arzt gehen, der nunmal kein Spezialist ist und sich somit auch gar nicht auskennen kann und nicht optimal behandeln kann, denn dazu MUSS man nunmal gerade bei Krebs extrem spezialisiert sein.
Denn schon in der Vorsorge, auch wenn der Patient zum Arzt geht, erkennen viele einen bestehenden Tumor nicht, koennen es gar nicht weil ihnen die Erfahrung und das Wissen fehlt. Hier wird sich also wahrscheinlich auch durch die Gesundheitsreform nicht viel aendern.

Seit der Gesundheitsreform gibt es auch in Krankenhaeusern massive Probleme mit den Kosten. Wenn ein Patient mit einer Diagnose eingeliefert wird bekommt die Klinik nur einen bestimmten Betrag fuer eine entsprechende Behandlung. Stellt sich dann auf dem OP z.B. heraus das der Patient ausser der Blinddarmentzuendung noch einen Tumor im Bauch hat so kann der eigentlich nicht behandelt werden oder ebend auf Kosten des KH die Kasse zahlt dann nix, es sei denn man macht wieder zu, schickt den Patienten eine bestimmte Zeit (so 4 Wochen) nach Hause und behandelt ihn dann mit Ueberweisung. Ist jetzt ein krasses Beispiel aber nach den neuen Abrechnungsregeln muesste es so laufen, es sei denn man findet im KH Moeglichkeiten diese Dinge zu umgehen, wobei man sich dann in die Illegalitaet begibt. Jedenfalls gibt es sehr viele Faelle in denen, wenn ein Patient im KH ist, nicht nur eine Diagnose behandelt werden sollte. Darf aber ebend nicht sein und wenn es moeglich ist versucht man es zu vermeiden und der Patient muss dann ebend ein paar mal ins KH. Ist es nicht moeglich, weil der Patient evtl. ein alter alleinstehender Mann ist der sich nicht selbst versorgen kann wegen der ersten OP, dann muss er nunmal im KH bleiben fuer die naechste Behandlung und dieses bleibt dann auf ettlichen 10.000 EUR sitzen. Vor allem kleinere Kliniken werden sich sowas auf Dauer kaum leisten koennen und ganz zumachen oder Abteilungen schliessen. Was das fuer die Patientenversorgung zu bedeuten hat kann man sich wohl denken. Es ist nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur schlechteren Versorgung -> schnellerem Tod der Kranken -> wenn man jetzt boese sein will Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem.

LG,
Chrissy
piep
Rang1
Rang1
Beiträge: 990
Registriert: 26 Sep 2001 02:00

Beitrag von piep »

hallo,

das mit dem wieder zumachen und später nochmal operieren habe ich bekanntenkreis vor 3 monaten erleben können - gott sei dank ging es nicht um krebs - eine orthopädische knieop förderte einen zweitn befund zu tage, der problemlos sofort hätte mitbehandelt werden können. ging aber nicht, da nicht geplant und nicht abrechenbar *mecker* *mecker*
jetzt läuft der arme mensch imemr noch mit krücken rum, denn nun heilt die wunde dank zweimaligen schnippelns nicht mehr richtig *mecker* *mecker*

ob das nun geld spart??????

lansam macht es wirklich sinn sich privat zu versichern - zumindest denke ich immer öfter drüber nach
piep
2004 wurde unser Kinderjahr!

am valentinstag kam unsere tochter zur welt
Antworten

Zurück zu „Gesundheitsreform und Versorgungsstrukturgesetz“